Heute geht es um die Hydraulic Pedals von Simtag und die Frage, ob diese eine Alternative zu Heusinkveld & co. darstellen können. Wir lassen euch an unseren Erfahrungen über rund drei Wochen mit den aus Belgien stammenden Pedalen teilhaben.

Verpackung & Lieferumfang
Fangen wir wie gewohnt mit der Verpackung an. Diese besteht aus einer auf den ersten Blick praktischen Holzkiste, welche die Pedale sowie das Zubehör beinhaltet.
Leider merkt man schon bei der Entnahme der Pedale, dass dies vielleicht nicht die praktischste Methode ist, denn es ist sehr fummelig an die genutzten Schrauben zu kommen und zusätzlich wird dementsprechend auch Werkzeug benötigt, um sich die Pedale ein erstes Mal genauer anzuschauen.

Nachdem dieses aber überwunden ist, können wir einen ersten Blick auf die Pedale sowie den Lieferumfang werfen. Prinzipiell ist alles dabei um die Pedale nutzen sowie anpassen zu können. So sind beispielsweise Aufkleber dabei, um die Pedalauflagen griffiger zu gestalten. Die Oberfläche erinnert dabei an das Material welches auch für die Oberseite von Skateboards genutzt wird. Außerdem ist noch eine separate Feder dabei, um das Kupplungspedal auf die individuellen Bedürfnisse anpassen zu können.

Technische Daten (direkt von der Hersteller-Website)
Race proven automotive technologies including:
– Tilton 600 forged aluminium 3 pedal floor mount assembly modified by SIMTAG
– Hydraulic brake pedal with adjustable pedal ratio (5.29:1, 5.44:1, 5.61:1, 5.75:1) enable the brake pedal to be tuned to driver preference.
– Traditional balance bar and fix mounted Wilwood master and sleve cylinder
– Throttle position sensors and pressure sensor made by Bosch
– Cosworth dust and moisture proof connectors for maximum reliability.
– Plug & Play electronics by Leo Bodnar
– Adjustable resistance
– Adjustable pressure
– Adjustable pedal pads
– Individually adjustable pedal angles
– Fully optimized for strength and weight using Finite Element Analysis (FEA)
– Large 7/16″ diameter balance bar minimizes flex to provide a solid pedal feel/response.
– PTFE coated aluminum clevises for increase durability and reduced friction
– Oil-impregnated bronze bushing at pedal pivots

Verarbeitungsqualität & Design
Schauen wir uns jetzt die Pedale mal genauer an. Die Verarbeitungsqualität macht dabei einen soliden Eindruck, nicht umsonst werden die Tilton-Pedale auch im realen Motorsport verwendet. Die Höhe der Pedale ist leicht anpassbar. Was aber beispielsweise stört, ist das Spiel der Bremspedal-Befestigung welches dadurch unschöne Geräusche von sich gibt. Im realen Fahrzeug ist dieses vermutlich vernachlässigbar aber im heimischen Rig stören solche Geräusche da schon eher.

Sehr subjektiv hingegen ist sicherlich auch die Verlegung der Kabel und Schläuche, welche einen eher wirren Eindruck hinterlassen. Außerdem gefiel uns die Plastikhalterung nicht, welche an dem Kupplungspedal befestigt ist und aufgrund der Materialwahl vermutlich nicht die längste Lebensdauer hat.

Insgesamt hinterlässt die Verarbeitungsqualität abgesehen von der Plastikhalterung einen guten Eindruck. Allerdings dürfte man in diesem Preissegment eine wirkliche Top-Qualität erwarten.

Montage & Praxiserfahrungen
Kommen wir nun zu einem Punkt welcher uns wirklich einige graue Haare gekostet hat, die Montage.
Verantwortlich dafür ist die äußerst ungünstige Auswahl der Montagepunkte. So befinden sich einige der Schrauben direkt unter der Pedalmechanik, was ein schiefes Ansetzen der Schraube notwendig macht. Da die meisten Rigs im Pedalbereich keinen riesigen Platz bieten, ist dies durchaus eine fricklige Arbeit. Zwar macht man dies in der Regel nicht so häufig, aber die Montage hat uns schon einen Großteil der Vorfreude genommen. Zuviel Frickelei war notwendig um die Pedale gescheit zu befestigen.

Potentielle Käufer sollten übrigens an die fehlende Fußablage denken, hier ist dann ein Selbstbau oder Zubehör notwendig, um die Pedale nutzen zu können. Eine Option von Simtag direkt gibt es (noch) nicht. Erwähnenswert ist außerdem, dass die Pedale mit einem USB-Adapter angeschlossen werden, welcher wiederum seriell an den Pedalen angeschlossen wird. Dieser ist leider nicht verschraubbar, so dass sich die Kabelverbindung durchaus lösen kann im Praxisbetrieb.

Wer möchte kann sich übrigens noch folgendes Video zu den Tilton-Pedalen anschauen, dort werden auch die Anpassungsmöglichkeiten noch einmal demonstriert:

Kommen wir nun zum eigentlich wichtigsten Abschnitt für dementsprechende Pedale, dem Pedalgefühl.
Wir haben die rund drei Wochen genutzt und einen Großteil der Zeit in iRacing verbracht um in gewohnter Umgebung unterwegs zu sein. Zusätzlich haben wir auch Titel wie Assetto Corsa oder Automobilista genutzt um einen breitgefächerten Eindruck zu bekommen. Eins vorweg: Die Einrichtung klappte jeweils tadellos und war in kürzester Zeit erledigt.

Wir waren aufgrund des hydraulischen Aufbaus natürlich sehr gespannt auf das Bremsgefühl und gingen trotz der müßigen Montage gespannt ans Werk. Aber fangen wir der Reihe nach an:

Gaspedal:
Das Gaspedal der Simtag Hydraulic Pedals ist sehr unspannend. Es hat einen sehr geringen Widerstand welcher metallisch am Ende gestoppt wird. Dies ist laut Simtag im realen Motorsport ebenfalls der Fall, trotzdem fühlt es sich nicht gesund an wenn Metall auf Metall stößt.

Bremspedal:
Das Bremspedal hinterlässt an sich einen guten Eindruck und ist auch in der Stärke durch das beiliegende Zubehör anpassbar.
Trotzdem fehlte uns der erwartete Wow-Effekt. Die Bremse war zwar gut und hinterlässt ein entsprechendes Gefühl, aber die kurz zuvor verwendeten Heusinkveld Ultimate spielten da noch einmal in einer anderen Liga. Das Simtag-Bremspedal war in Punkto Bremsgefühl eher mit dem Bremspedal der Heusinkveld Sim Pedals Pro-Reihe vergleichbar. Das Ultimate-Bremspedal hinterließ einfach einen noch massiveren Eindruck und auch das Bremsgefühl war hier besser als bei den Simtag-Pedalen. Für uns war einfach kein signifikanter Unterschied zwischen den Hydraulik- und der Load Cell-Varianten feststellbar.

Zum Vergleich: Das Simtag-Bremspedal hat einen maximalen Bremsdruck von 100kg, die Bremse der Heusinkveld Sim Pedals Pro hingegen “nur” 55kg, trotzdem war hier kein eklatanter Unterschied festzustellen der unserer Meinung nach den massiven Preisunterschied rechtfertigt.

Kupplungspedal:
Das Kupplungspedal der Simtag Hydraulic Pedals hinterlässt leider einen ähnlichen Eindruck wie das Gaspedal.
Es gibt keinerlei Gefühl eine Kupplung zu drücken, da es keinen simulierten Umlenkpunkt gibt. Dies erschwerte zumindest uns, ein Gefühl für die Kupplung zu bekommen. Das funktioniert beispielsweise bei den Fanatec v3 oder den Heusinkveld-Konkurrenten deutlich besser.

  • Einrichtung & Montagemöglichkeiten
  • Lieferumfang
  • Preis-/Leistungsverhältnis
  • Verarbeitung
3

Kurzfassung

Unsere Erwartungen an die Simtag Hydraulic Pedals wurden leider nicht erfüllt.

In Anbetracht des sehr hohen Preises von ca. 2249€ inkl. 19% MwSt. können wir Interessenten nur raten, die Pedale vorab auszuprobieren.
Vor allem im direkten Vergleich mit anderen Pedalen wie beispielsweise den Heusinkveld Ultimate welche in vergleichbarer Konfiguration bei 1329€ angesiedelt sind, gefiel uns das Produkt aus den Niederlanden deutlich besser. Grund dafür ist nicht nur die fummelige Montage sondern vor allem der fehlendene Aha-Effekt welchen wir bei diesen deutlich teureren Pedalen erwartet haben.
Dementsprechend können wir nur jedem den Tipp mitgeben die Pedale bei ernsthaftem Interesse auszuprobieren. Schließlich ist die Pedalwahl eine höchst subjektive Entscheidung und nur weil uns das Produkt aus Belgien nicht überzeugen konnte, muss dies nicht für jeden zutreffen.